Diversity Training: Was es bringt und was es tatsächlich bewirkt

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Was bringt Diversity Training? Wie ist die aktuelle Situation in Deutschland? Welche Methoden gibt es für Diversity Training? Und welche Vorteile bringen immersive Lernmethoden? All das nimmst du aus diesem Artikel mit.

Voraussichtliche Lesedauer: 7 Minuten

Gefühlt finden beinahe in jedem Unternehmen mittlerweile Diversity Trainings statt. Dennoch gibt es nach wie vor große Unterschiede in der arbeitsalltäglichen Wahrnehmung von Männern, Frauen und verschiedenen ethnischen Gruppen.

Der Frauenanteil in den Top 200 Unternehmen in Deutschland liegt gerade einmal bei 11,5 %. Hinzu kommt, dass Frauen im Schnitt 18 % weniger verdienen als Männer. Allgemein hat das Thema „Diversität“ noch einen ordentlichen Nachholbedarf. Laut einer Analyse von McKinsey aus dem Jahr 2020, finden gerade einmal 13,5 % der Unternehmen, dass Diversität im Unternehmen auch tatsächlich eine sehr wichtige Rolle spielt – in weiteren 39,5 % eine immerhin wichtige.

Mehr als jeder dritte befragte Teilnehmer (34 %) registriert beim Arbeitgeber eine eher geringe Bedeutung von Vielfalt, während 13 % sogar angeben, dass sich dort überhaupt nicht um Diversity gekümmert wird.

Die Frage stellt sich also, wieso trotz der vielen Weiterbildungsmöglichkeiten und der Bemühungen von Unternehmen, die eigene Vielfalt auf den Prüfstand zu stellen, nach wie vor einzelne Personengruppen so stark diskrimminiert werden. 

Fehlendes Diversity Training, ein Rezept für Misserfolg 

Es gibt viele Gründe, warum Diversity Trainings ineffektiv  bleiben – und im schlimmsten Fall mehr schaden als nutzen. Rassismus, Homophobie und frauenfeindliche Bedingungen haben leider nach wie vor ihren Platz in unserer gesellschaftlichen Mitte.

Die „Autoritarismus-Studie“ der Universität Leipzig aus dem Jahr 2020 bestätigt das. Demnach erteilen rund 17 % der Bevölkerung überwiegende oder volle Zustimmung zu den Aussagen „Die Ausländer kommen nur hierher, um unseren Sozialstaat auszunutzen.“, „Wenn Arbeitsplätze knapp werden, sollte man die Ausländer wieder in ihre Heimat zurückschicken.“ und „Die Bundesrepublik ist durch die vielen Ausländer in einem gefährlichen Maß überfremdet.“ …

Die Studie differenziert zwar nicht weiter zwischen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit, gibt dennoch einen guten Einblick in das Gedankengut der Gesellschaft. Viele dieser Vorurteile geschehen jedoch nicht aktiv. Sie sind ein Teil unserer Sozialisierung.

Rational betrachtet wissen die meisten, dass diese Vorurteile nicht zutreffen. Da sie aber in unserem Unterbewusstsein hausen (unbewusste oder implizite Vorurteile, “unconscious bias” im Englischen) ist es schwierig bis unmöglich, diesen mit klassischen kognitiven Bildungsinterventionen (wie zum Beispiel den aktuellen Diversity & Inclusion Trainings) entgegenzuwirken.

Selbst größere Anstrengungen zur Reduzierung von impliziten Vorurteilen, die sich über ein ganzes Leben hinweg gebildet haben, zeigen, dass alle positiven Effekte nach ein paar Stunden oder Tagen nachlassen. Man vermutet sogar, dass die Aufforderung, Stereotypen durch Training zu bekämpfen, dazu führen kann, dass sich diese Stereotypen noch stärker in den Köpfen der Menschen festsetzen. 

Aktuelle Situation in Deutschland

Bezogen auf die Arbeitswelt und den Kontext von Unternehmen und Institutionen versteht man unter dem Begriff „Diversität“ die Gemeinsamkeiten und Unterschiedlichkeiten der Belegschaft aufgrund individueller Persönlichkeitsmerkmale sowie Lebensstile oder -entwürfe.

Diversity umfasst sowohl sichtbare als auch unsichtbare Merkmale, die individuelle Sichtweisen, Perspektiven, Einstellungen und damit das Handeln von Menschen bedingen. 

Das wichtigste Thema bei der Durchführung von Diversity Management im Unternehmen ist die Vielfalt der kulturellen Hintergründe von Mitarbeitern. Dies gaben 90 % der Befragten der 2021 durchgeführten Diversity Management Studie der PageGroup an. Neben einem ausgeglichenen Geschlechterverhältnis (78 %) und der Integration von Mitarbeitern mit Behinderung (47 %) ist ein offener Umgang mit LGBTQ-Themen im Unternehmen mit 54 % Zustimmung ein bedeutendes Schwerpunktthema im Diversity Management. Nach Angaben der Quelle trägt Diversität zur Zufriedenheit und Mitarbeiterbindung in Unternehmen bei.

Neue Technologien für effektives Diversity Training

Das bekannte „Schubladendenken“ ist zunächst einmal nichts verwerfliches. Im Gegenteil. Es ist ein normaler Mechanismus unseres Gehirns, der uns effizient denken und schnell handeln lässt. Wir fassen Dinge, Situationen, aber auch Menschen mit ähnlichen Eigenschaften zu einer Gruppe zusammen und können so schnell entscheiden, wie wir auf sie reagieren.

Der Punkt ist jedoch, dass diese Eigenschaft, gepaart mit unserer gesellschaftlichen Sozialisierung oft dazu führt, dass wir Personen und Gruppen diskriminieren. Die gute Nachricht: Es gibt genügend Methoden, um die eigenen Gedankengänge neu und effektiv, sprich mit messbaren positiven, anhaltenden Ergebnissen, bewusst auszurichten.

Das Thema Diversity ist wichtiger als je zuvor und das zu Recht. Unternehmen möchten sich verständlicherweise auch in dieser Hinsicht weiterentwickeln. Denn nur eine Weiterentwicklung öffnet Unternehmen und Organisationen die Tür zu einer besseren, sicheren und lebenswerten Zukunft. (Lies hierzu auch: Warum Transparenz im Unternehmen so wichtig ist)

Diversität weist positive Korrelationen mit vielen Kernthemen eines jeden Unternehmens: Von reiner Überlebenswahrscheinlichkeit und Fortbestehen im Wettbewerb bis hin zu höherer Profitabilität (BCG, McKinsey). Auch der Schutz des Unternehmensimages ist eine treibende Kraft, wie eine Umfrage von Statista bestätigt. Um also den eigentlichen Kern und die Tragweite mangelnder Diversität anzugehen, setzen viele Unternehmen auf professionelle  Unterstützung durch spezialisierte Anbieter. 

In klassischen Diversity-Trainings haben die Teilnehmer keine überzeugende Möglichkeit, sich in eine diskriminierte Person hinein zu versetzen. Dies ist eines der Kernthemen, die in Führungskräftetrainings auf aller Welt trainiert wird: Ein Bewusstsein für andere Perspektiven entwickeln und aktiv diese Perspektiven einnehmen (engl. „perspective seeking“ und „perspective taking“).

Trainingsteilnehmer können zwar bis zu einem gewissen Grad ihr Mitgefühl ausdrücken, doch wer noch nie in derselben Situation wie sein Gegenüber steckte, wird nie die Ausmaße von gewissen Vorurteilen begreifen. Um aber genau das zu erreichen, kann man sich immersives Lernen zu Eigen machen.

Es bezeichnet einen Lernansatz, der digitale Technologien wie Virtual Reality (VR) nutzt, um Lernende beim Erlernen von Prozessen durch das Erfahren von Situationen zu unterstützen. Dies wird durch die Interaktion, das selbstständige Handeln sowie das Eintauchen des Lernenden in eine interaktive Lernumgebung erreicht. Immersiv gestaltete Erfahrungen ermöglichen es den Lernenden, vollständig in eine Situation einzutauchen.

Dabei sind sie sich des Lernprozess zum Teil kaum bewusst. Häufig kommen dabei spielbasierte Anwendungen zum Einsatz, die bestimmte Umgebungen und Szenarien replizieren. Je höher der Grad der Immersion ist, desto mehr tauchen die Lernenden in die virtuelle Welt ein, die  sich von der realen Welt nicht mehr unterscheiden lässt.

Eine erfolgreiche Immersion wird durch die Anwendung wissenschaftlich erforschten und für effektiv bewiesenen Prinzipien hergestellt . Gelernt wird,  indem die Geschehnisse in der simulierten Welt als plausibel wahrgenommen werden und die Teilnehmenden als aktive Akteure in der virtuellen Welt involviert sind. 

Vorteile von immersivem Lernen und aktuelle Hürden

Lernen mit immersiven Technologien entspricht vielen didaktischen Grundprinzipien, die heutzutage auch in der analogen Aus- und Weiterbildung zum Einsatz kommen, beispielsweise in der Anschaulichkeit (engl. „experiential training“). Lernende haben die Möglichkeit, Lerninhalte praktisch zu erleben, die zu weit weg oder außerhalb der sinnlichen Wahrnehmung sind. Sie können sich an neue Orte begeben oder gar zu völlig neuen Personen werden. 

Fehlendes Wissen in der Breite über die neuesten Möglichkeiten immersiver Lernmethoden. Sowohl bei den Trainern und Experten, die Lernprozesse im Allgemeinen begleiten, als auch im Bereich der Kostenfragen stehen aktuell noch einge Hürden im Raum, die es zu überwinden gilt.

Eine Erhöhung des Wissens- und Bildungsgrades zu diesen Themen wird in naher Zukunft zu einer hohen Akzeptanz dieser innovativen, effektiven und effizienten Methoden führen, wodurch die Technologien und Lernszenarien nachhaltig in Unternehmen eingeführt werden können.

Fazit

Immersive Technologien verändern das Lernen schon heute stark und werden es in den kommenden Jahren noch erheblicher verändern. Sie ermöglichen den Lernenden ein Gefühl des direkten Einbezogenseins und wirken sich somit positiv auf den Lernprozess aus.

Eine virtuelle immersive Lernumgebung stellt darüber hinaus einen „sicheren Raum“ dar – hier können Lernende die unterschiedlichsten Verhaltensweisen ausprobieren ohne unmittelbare Konsequenzen bei Fehlern befürchten zu müssen. Dieser Prozess des Ausprobierens, der Reflexion, Nachjustierung und erneuten Ausprobierens setzt „echtes“ Lernen im Gange, der Schlüssel zu positiven und nachhaltigen Verhaltensänderungen.

Für Diversity-Training bedeutet das, dass Lernende in neue Rollen schlüpfen können, die physischen und psychischen Eigenschaften ihrer Rolle annehmen und dadurch aktiv ihre unbewussten Vorurteile reduzieren können. Kompetenzen werden durch emotional konnotiertes Erfahren und die daraus resultierende Handlungsfähigkeit erlangt. Diese Erkenntnis ist so alt wie die Menschheit  und muss nur immer wieder auf die aktuellen Zeiten und Möglichkeiten gespiegelt werden, beispielsweise heutzutage auf den Einsatz immersiver Technologien.

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Zum Autor: Mihai Streza

Mihai Streza von Wondder

Mihai Streza, CEO und Founder von Wondder, hat das Ziel mit Virtual Reality Menschen, Organisationen und Unternehmen voranzubringen und Diversität und Inklusion zu fördern. Er möchte ein Portfolio an VR-Erlebnissen aufbauen, das für HR- und B2B-Trainingszwecke genutzt wird. Der Diplom-Informatiker und Mehrfachgründer blickt auf langjährige Erfahrungen als Strategieberater und Early Stage Investor zurück, u.a. bei Roland Berger. 2012 wurde seine erste Gründung von der Wirtschaftswoche als eines der Top 5 Nachhaltigkeitsstartups auserkoren. 

Zuletzt aktualisiert am 24. September 2021

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